Sitz im Gläubigerausschuss: Sinnvoller Schritt oder Haftungsfalle?



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Mehrwerte: Wie ist die Haftungslage für Mitglieder des Gläubigerausschusses? Worauf sollten Sie achten? Im folgenden Artikel gibt Ihnen Hr. Dr. Hees eine fundierte Einführung in das Thema aus juristischer Perspektive sowie fünf umsetzbare Praxistipps zur Hand, während Ihnen Guido Lange bündig Tipps zur richtigen Versicherung vorstellt. Gerne steht Ihnen für die Beantwortung juristischer Fragen Herr Dr. Hees jederzeit zur Verfügung. Zur Absicherung Ihrer Haftungsrisiken können Sie sich an die Spezialisten der MRH TROWE Financial Lines über unser Kontaktformular wenden.

Vorwort

Sofern im Insolvenzverfahren ein Gl√§ubigerausschuss vom Insolvenzgericht eingesetzt wird, stellt sich die Frage nach Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder. Die Kandidaten setzen sich wiederum damit auseinander, ob sie die Aufgabe √ľbernehmen k√∂nnen und mit Blick auf die pers√∂nliche Haftung √ľbernehmen sollen. Diesbez√ľglich soll Ihnen die folgende Abhandlung einen fundierten √úberblick geben.

I. Einleitung

Ziel eines Insolvenzverfahrens ist es, die Gl√§ubiger eines Schuldners gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Verm√∂gen des Schuldners verwertet und der Erl√∂s verteilt wird. Der deutschen Insolvenzordnung liegt die Vorstellung zugrunde, dass Gl√§ubiger eines Insolvenzverfahrens nicht lediglich nur passive Beteiligte eines Insolvenzverfahrens sein sollen, sondern an den Entscheidungen √ľber die Form und die Art der Verwertung der Insolvenzmasse sowie den Gang des Verfahrens aktiv mitwirken sollen.

Der Gl√§ubigerausschuss ist neben der Gl√§ubigerversammlung das zentrale Organ der Gl√§ubigerautonomie, der den st√§ndigen Einfluss der beteiligten Gl√§ubiger auf das Insolvenzverfahren gew√§hrleisten soll. Obwohl die Gl√§ubigerversammlung in Insolvenzverfahren das Basisorgan der Gl√§ubigerschaft ist, hat die Vergangenheit gezeigt, dass dem Gl√§ubigerausschuss eine oft gr√∂√üere Bedeutung zukommt. Oftmals m√ľssen in Insolvenzverfahren eilbed√ľrftige Entscheidungen getroffen werden, z.¬†B. wenn wegen anstehendem Saisongesch√§ft schnell ein Verkauf des Gesch√§ftsbetriebs erfolgen muss. Insbesondere in solchen F√§llen ist das Vorhandensein eines Gl√§ubigerausschusses von Vorteil. Denn anders als die Gl√§ubigerversammlung setzt sich der Gl√§ubigerausschuss lediglich aus einer geringen Anzahl an Mitgliedern zusammen. Er kann daher jederzeit flexibel einberufen werden. Weiter verf√ľgen Mitglieder eines Gl√§ubigerausschusses regelm√§√üig √ľber einen erheblichen Informationsvorsprung gegen√ľber anderen Gl√§ubigern. Sie haben einen besseren Einblick in das lfd. Insolvenzverfahren und gr√∂√üere M√∂glichkeiten, den konkreten Ablauf des Insolvenzverfahrens zu beeinflussen. Der vorl√§ufige Gl√§ubigerausschuss kann z.¬†B. durch einstimmigen Vorschlag erreichen, dass das Insolvenzgericht den gew√ľnschten Verwalter bestellt, ¬ß¬†56a InsO. Er kann durch einstimmigen Beschluss auch die Eigenverwaltung erreichen, ¬ß¬†270 Abs. 3 Satz¬†2 InsO.

Die Mitgliedschaft in einem Gläubigerausschuss bringt also i.d.R. viele Vorteile mit sich und ist daher grundsätzlich zu empfehlen.

II. Persönliche Haftung eines Gläubigerausschussmitglieds

Dennoch m√ľssen Ausschussmitglieder stets im Blick haben, dass mit dem Amt auch Pflichten verbunden sind, f√ľr deren Erf√ľllung sie einzustehen haben. Eine nicht ordnungsgem√§√üe Erf√ľllung der ihnen auferlegten Pflichten kann im schlimmsten Fall eine pers√∂nliche Haftung des Ausschussmitglieds nach sich ziehen.

Die Voraussetzungen einer pers√∂nlichen Inanspruchnahme sind in ¬ß 71 InsO geregelt. Hiernach haften Mitglieder eines Gl√§ubigerausschusses gegen√ľber den absonderungsberechtigten Gl√§ubigern und den Insolvenzgl√§ubigern pers√∂nlich, sofern sie schuldhaft die Pflichten verletzen, die ihnen nach der Insolvenzordnung obliegen. Ma√ügeblich f√ľr die Haftung aus ¬ß¬†71 InsO ist, wer konkret Mitglied geworden ist, ob also die betreffende, nat√ľrliche Person Mitglied wurde oder dessen Arbeitgeber bzw. Anstellungsk√∂rperschaft.

Die wichtigste Aufgabe eines Gl√§ubigerausschusses ist gem√§√ü ¬ß 69 InsO die Unterst√ľtzung und √úberwachung des Insolvenzverwalters bei seiner Gesch√§ftsf√ľhrung sowie die Pr√ľfung des Geldverkehrs und -bestandes. Der Insolvenzverwalter hat eine umfassende Verwaltungsbefugnis, welche einerseits der Unterst√ľtzung durch die Insolvenzgl√§ubiger bedarf und andererseits aufgrund der damit verbundenen weiterreichenden Folgen seines Handelns auch kontrolliert werden muss.

Die in ¬ß 69 InsO geregelten Pflichten sind jedem Ausschussmitglied individuell auferlegt, sie betreffen nicht nur den Gl√§ubigerausschuss als solchen. Insoweit setzt die pers√∂nliche Haftung grunds√§tzlich eine eigene Pflichtverletzung des jeweiligen Ausschussmitglieds voraus. Dies hei√üt jedoch nicht, dass im Falle einer Delegation einer Aufgabe auf ein bestimmtes Mitglied die √ľbrigen Mitglieder von ihren Pflichten vollst√§ndig befreit sind. Im Gegenteil besteht auch hier eine Pflicht der √ľbrigen Ausschussmitglieder, sich positiv von der Pflichterf√ľllung zu √ľberzeugen. Insoweit haben sie alle f√ľr die regelm√§√üige √úberwachung einzustehen.

Haftungstr√§chtig ist die Nichterf√ľllung der den Ausschussmitgliedern auferlegten √úberwachungspflicht. Ausschussmitglieder sind verpflichtet, das Handeln des Insolvenzverwalters nicht nur auf die Rechtm√§√üigkeit zu kontrollieren, sondern dar√ľber hinaus auch auf die Zweckm√§√üigkeit und Wirtschaftlichkeit seiner Gesch√§ftsf√ľhrung. Die ordnungsgem√§√üe Erf√ľllung dieser Pflicht setzt sowohl eine nachtr√§gliche, begleitende als auch vorausschauende Kontrolle des Insolvenzverwalters voraus.

Haftung Insolvenz in Eigenverwaltung

Am 26.04.2018 hat der Bundesgerichtshof ein vielbeachtetes Urteil zur Haftung von Gesch√§ftsf√ľhrern in der Eigenverwaltung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens gesprochen. Die Folgen f√ľr die Gesch√§ftsf√ľhrerhaftung schildert Dr. Volker Hees, Partner der renommierten Kanzlei Hoffmann Liebs.

BGH-Urteil zur Eigenverwaltung

Mitglieder eines Gl√§ubigerausschusses m√ľssen hierbei stets √ľber den aktuellen Verfahrensstand informiert sein, da nur auf diese Weise eine ordnungsgem√§√üe √úberwachung des Insolvenzverwalters erfolgen kann.

Ganz besondere Bedeutung im Rahmen der √úberwachung des Insolvenzverwalters kommt der Pr√ľfung von Geldverkehr und -bestand zu, zu der ein Ausschussmitglied gem√§√ü ¬ß¬†69 Satz¬†2 InsO verpflichtet ist. Die Verletzung dieser Pflicht zur sog. ‚ÄěKassenpr√ľfung‚Äú war in der Rechtsprechung bereits mehrfach Gegenstand von Entscheidungen, die zu einer pers√∂nlichen Haftung von Ausschussmitgliedern f√ľhren, z. B. weil der untreue Insolvenzverwalter aus der Masse Gelder auf private Konten umleitete.

Ausschussmitglieder m√ľssen die Pr√ľfung von Geldverkehr und Geldbestand nicht selbst vornehmen. Ihnen steht es frei, diese Aufgabe auch auf einem sachverst√§ndigen Dritten zu √ľbertragen, ohne f√ľr dessen Verschulden einstehen zu m√ľssen. Die Einschaltung eines Dritten √§ndert jedoch nichts an der M√∂glichkeit einer pers√∂nlichen Inanspruchnahme von Ausschussmitgliedern. Sie sind trotz Betrauung eines Dritten verpflichtet, f√ľr die Durchf√ľhrung der Pr√ľfung zu sorgen. Hierzu haben sie diejenige Person, welche die Pr√ľfungen vorzunehmen hat, unverz√ľglich und sorgf√§ltig auszuw√§hlen und k√∂nnen insoweit f√ľr ein etwaiges Auswahlverschulden haftbar gemacht werden.

Auch wenn die Pr√ľfung des Geldverkehrs und -bestandes von einem Dritten durchgef√ľhrt wird, m√ľssen sich Ausschussmitglieder √ľber die Ergebnisse der Pr√ľfungen informieren und pr√ľfen, dass die erforderliche Sorgfalt bei der Pr√ľfung tats√§chlich auch eingehalten wird.

In welchen zeitlichen Abst√§nden der Geldverkehr und -bestand gepr√ľft werden muss, ist eine Frage des Einzelfalls und gesetzlich nicht geregelt. Es ist jedenfalls in jedem Verfahren sofort mit der Pr√ľfung zu beginnen. Der Pr√ľfungsturnus im weiteren Verfahren k√∂nnen vom Verfahrensstand, der Anzahl der Kontobewegungen oder dem Umstand einer Betriebsfortf√ľhrung beeinflusst werden. Gerade im Insolvenzer√∂ffnungsverfahren k√∂nnen engere Pr√ľfungsintervalle erforderlich sein. Sofern Ungereimtheiten erkennbar sind, sind die Pr√ľfungsintervalle zu verk√ľrzen. Auch der Umfang der Pr√ľfungsintensit√§t richtet sich nach den jeweiligen Umst√§nden des Einzelfalls. Eine √úberwachung des Insolvenzverwalters ist nur dann gew√§hrleistet, wenn die Pr√ľfung des Geldverkehrs und ‚Äďbestandes eine zuverl√§ssige Beurteilung seines Handelns erm√∂glicht. Ergeben sich im Rahmen der Belegpr√ľfung Zweifel, sollten Ausschussmitglieder zur Haftungsvermeidung sofortige Nachforschungen einleiten und eine vollst√§ndige √úberpr√ľfung des Geldverkehrs vornehmen.

"Unerl√§sslich ist, dass sich ein Mitglied eines Gl√§ubigerausschusses bei der Aufnahme des Amtes √ľber die obliegenden Pflichten vollumfassend informiert, um sich auf diese Weise einen √úberblick √ľber den Pflichtenkreis zu verschaffen"Dr. Volker Hees (Partner und Insolvenzrechtsexperte bei Hoffmann Liebs)

Ausschussmitglieder k√∂nnen beispielsweise pers√∂nlich in Anspruch genommen werden, wenn durch die Gl√§ubigerversammlung Hinterlegungskonten bestimmt wurden, die der Insolvenzverwalter zu f√ľhren hat, dieser davon aber abweicht. Der Gl√§ubigerausschuss ist in diesem Fall zu sofortigem Einschreiten verpflichtet und darf ein Abweichen des Insolvenzverwalters keinesfalls dulden.

Erh√∂hte √úberwachungspflichten treffen Ausschussmitglieder ebenso bei besonders bedeutsamen und haftungstr√§chtigen Einzelgesch√§ften des Insolvenzverwalters. Will ein Insolvenzverwalter Rechtshandlungen vornehmen, die f√ľr das Insolvenzverfahren von besonderer Bedeutung sind wie z.¬†B. der Verkauf des Gesch√§ftsbetriebs oder von Grundst√ľcken, so hat er hierzu die Zustimmung des Gl√§ubigerausschusses einzuholen. Stimmen Ausschussmitglieder massesch√§digenden Beschl√ľssen zu oder enthalten sich einer Stimmabgabe, so kann dies ebenfalls zu einer pers√∂nlichen Haftung eines Ausschussmitglieds f√ľhren. Kaufvertr√§ge sind also vor Zustimmung genauestens zu pr√ľfen, ggf. mithilfe eines versierten Fachanwalts. Die Kosten tr√§gt in der Regel die Insolvenzmasse.

Haftungstr√§chtig ist auch die Verletzung von Verschwiegenheitspflichten durch ein Mitglied des Gl√§ubigerausschusses. Bei der Aus√ľbung ihres Amtes erlangen Ausschussmitglieder umfangreiche Kenntnis von Informationen. Bez√ľglich dieser Informationen sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nutzt ein Ausschussmitglied den durch die Ausschusst√§tigkeit gewonnenen Informationsvorsprungs zu Eigenzwecken aus oder verbreitet er eine vertrauliche Mitteilung, kann er hierf√ľr unter Umst√§nden pers√∂nlich haften.

Grunds√§tzlich sind die Anforderungen an die subjektiven Voraussetzungen einer pers√∂nlichen Haftung gering. Subjektiv gen√ľgt bereits jedes leicht fahrl√§ssiges Verhalten eines Ausschussmitglieds, um eine pers√∂nliche Haftung zu begr√ľnden. Bei der Erf√ľllung ihrer Pflichten haben Ausschussmitglieder die Sorgfalt an den Tag zu legen, die von einem ordentlichen und gewissenhaften Mitglied eines Gl√§ubigerausschuss erwartet werden kann. Die eigene Unkenntnis der Pflichten sowie die fehlenden pers√∂nlichen F√§higkeiten zur ordnungsgem√§√üen Amtsaus√ľbung lassen die Haftung eines Ausschussmitglieds unber√ľhrt.

Liegt eine schuldhafte Pflichtverletzung eines Ausschussmitglieds vor, so muss diese f√ľr den Schadenseintritt miturs√§chlich sein. Bei Unterschlagungen von Massegeldern durch den Insolvenzverwalter besteht zugunsten der Gesch√§digten ein sog. ‚ÄěBeweis des ersten Anscheins‚Äú f√ľr eine Verursachung durch mangelhafte √úberwachung. Es wird davon ausgegangen, dass ein Insolvenzverwalter bei sorgf√§ltiger √úberwachung sich nicht wagt, die ihm anvertrauten Verm√∂genswerte zu veruntreuen.

III. Folgen f√ľr die Praxis

Insbesondere im fr√ľhen Insolvenzer√∂ffnungsverfahren ist das Risiko einer pers√∂nlichen Haftung erh√∂ht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Informationsbasis meist noch nicht hinreichend gesichert. Dennoch besteht im Er√∂ffnungsverfahren bereits die Pflicht des Gl√§ubigerausschusses, trotz ungesicherter Informationen das Handeln des Insolvenzverwalters zu √ľberwachen. Es ist wichtig, bereits fr√ľhzeitig ein Risikomanagement zu installieren, m√∂gliche Risiken aufzulisten und unter Umst√§nden auch gesonderte Kontrollmechanismen einzurichten, um das Risiko einer pers√∂nlichen Haftung m√∂glichst fr√ľhzeitig zu minieren. F√ľnf Punkte sollten vor allem beachtet werden:

Gößenverteilung Insolvenz ind Eigenverwaltung Statistik
  1. Unerlässlich ist, dass sich ein Mitglied eines Gläubigerausschusses bei der Aufnahme des Amtes über die obliegenden Pflichten vollumfassend informiert, um sich auf diese Weise einen Überblick über den Pflichtenkreis zu verschaffen. Die von den Gerichten zur Verfügung gestellten Merkblätter sind hierzu zur Kenntnis zu nehmen.
  2. Eine persönliche Haftung kann durch Abschluss einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung vermieden werden. Vor allem in größeren und risikoreichen Insolvenzverfahren ist der Abschluss einer gesonderten Haftpflichtversicherung unverzichtbar und die Regel, da etwaige Schäden regelmäßig nicht von der Berufshaftpflichtversicherung erfasst sind.
    Die Kosten für eine solche Versicherung können Ausschussmitglieder nach § 18 Abs. 1 InsVV als Auslagen vom Gericht festsetzen lassen und gegenüber der Insolvenzmasse geltend machen, falls nicht bereits die Insolvenzmasse direkt die Kosten ausgeglichen hat.
  3. Zur Vermeidung einer Haftung sollten Ausschussmitglieder zwingend ihre Arbeit dokumentieren, um im Falle eines Haftungsfalls die konkrete Tätigkeit lückenlos nachweisen zu können.
  4. Mitglieder eines Gläubigerausschusses sollten zudem den Angaben des Insolvenzverwalters nicht blind vertrauen, sondern diese auch hinterfragen. Insbesondere bei Zweifel oder Ungereimtheiten sollten umgehend Nachforschungen eingeleitet werden.
  5. Bei Ungereimtheiten und Zweifeln ist es des Weiteren empfehlenswert, den Rat eines versierten Fachanwalts für Insolvenzrecht oder anderer Fachgebiete zur weiteren Vorgehensweise beizuziehen, um das Risiko einer Haftung von vornherein auszuschließen.
"Die spezielle Haftungssituation der Mitglieder eines Gl√§ubigerausschusses stellt besondere Anforderungen an die Gestaltung des Versicherungsschutzes. Um Interessenkonflikten im Schadenfall vorzubeugen, ist eine eigenst√§ndige und von der Deckung des Insolvenzverwalters unabh√§ngige Versicherung des Gl√§ubigerausschusses unbedingt zu empfehlen."Guido Lange - Gesch√§ftsf√ľhrer MRH Trowe Financial Lines GmbH

IV. Absicherung des Gläubigerausschusses

Im Folgenden wollen wir den zweiten Praxistipp aufgreifen und Ihnen wichtige Hinweise f√ľr Ihre Absicherung an die Hand geben. Zuallererst sollte sich das Mitglied eines Gl√§ubigerausschusses auf keine vorhandenen Firmenversicherungen (und hier sei speziell die D&O-Versicherung genannt) verlassen, da diese in der Regel keinen Schutz bieten. Es ist also dringend eine spezielle Verm√∂gensschaden-Haftpflichtversicherung f√ľr den Haftungsfall zu installieren. Dabei ist Folgendes zu beachten: die Versicherung des Gl√§ubigerausschusses sollte getrennt von der pers√∂nlichen Deckung des Insolvenzverwalters erfolgen. Diese Gestaltung hat folgende Vorteile:

  1. Sollte die zur Verf√ľgung stehende Versicherungssumme im Schadenfall bereits durch den Insolvenzverwalter verbraucht sein, st√ľnde f√ľr die Mitglieder des Gl√§ubigerausschusses ansonsten kein Versicherungsschutz mehr zur Verf√ľgung.
  2. Aufgrund der √úberwachungs- und Kontrollpflichten des Gl√§ubigerausschusses k√∂nnen sich Interessenkonflikte ergeben. Eine Schadenregulierung w√ľrde sich kompliziert gestalten, wenn in diesem Fall Insolvenzverwalter und Gl√§ubigerausschuss bei einem Versicherer und noch dazu ggf. in einem Vertrag versichert w√§ren.

Aufbauend auf dieser Empfehlung gilt es eine ausreichende Versicherungssumme zu w√§hlen sowie ein leistungsstarkes Bedingungswerk zu konzeptionieren. Bei beiden Aufgabenstellungen ist in jedem Fall das Hinzuziehen eines Experten anzuraten, um das gew√ľnschte Sicherheitsnetz zu spannen. So sehen wir in den Schadenf√§llen die Bedeutung von folgenden Bausteinen, auf die Sie Ihr Bedingungswerk hin pr√ľfen sollten:

  • Einen Selbstbehalt im Schadensfall sollten Sie im aktuellen Marktumfeld nicht mehr akzeptieren.
  • Je nach Bedarf ist eine Erweiterung der Auslandsdeckung vorzunehmen.
  • Eine Vertrauensschadendeckung sollte integriert sein.
  • Im Zusammenhang mit Cyber-Vorf√§llen sollte eine kombinierte Dritt- und Eigenschadendeckung bestehen.
  • Auf jeden Fall sollte Abwehrschutz f√ľr den Fall des Vorwurfs einer wissentlichen Pflichtverletzung bis zu deren rechtskr√§ftiger Feststellung geboten sein.
  • Eine Anrechnung von Kosten und somit Reduzierung der zur Verf√ľgung stehenden Versicherungssumme (z.B. Anwalts- und Gerichtskosten, Kosten f√ľr Sachverst√§ndige und Zeugen, Schadenminderungskosten) sollte nicht erfolgen.
  • Die Integration einer m√∂glichst weitgehenden Aufsichtsrats- und Beiratsklausel w√§re im Bedarfsfall ebenfalls w√ľnschenswert.

Im aktuellen - sehr kundenfreundlichen - Versicherungsmarkt sind die oben aufgef√ľhrten Bausteine grunds√§tzlich abbildbar und sollten sich neben anderen wichtigen Bausteinen in Ihrer Deckung wiederfinden. F√ľr die Bewertung der G√ľte der Klauseln in diesem Spezialthema bedarf es eines entsprechenden Know-Hows, sodass dringend anzuraten ist, entweder einen in diesem Themenfeld spezialisierten Fachanwalt f√ľr Versicherungsrecht oder Versicherungsmakler einzubinden. Ferner ist zu empfehlen, die auf dieses Thema spezialisierten Versicherer im Rahmen einer Marktausschreibung miteinander zu vergleichen, sodass Sie von dem sehr niedrigen Pr√§mienniveau entsprechend profitieren. Als Spezialmakler nehmen wir bei einem Vergleich der sehr unterschiedlichen Deckungskonzepte Pr√§miendifferenzen von bis zu 50% wahr. Bei der Wahl der geeigneten Versicherungssumme sollte die H√∂he der Pr√§mie zwar nur eine untergeordnete Rolle spielen, ein qualifizierter Markt√ľberblick erm√∂glicht aber im Rahmen der Pr√§mienersparnis eine Investition in eine umfangreichere Absicherung in Form der Aufstockung der Versicherungssumme.

V. Fazit

Grundsätzlich kann jedem Gläubiger empfohlen werden, in den Gläubigerausschuss zu gehen. Anhand von Informationen aus erster Hand kann konkret Einfluss auf eine bestmögliche Befriedigung der Gläubiger genommen werden. Bei der Auswahl des Insolvenzverwalters kann der Gläubigerausschuss mitbestimmen. Bei verantwortungsvoller Erfüllung der Aufgabe droht keine Haftung. Für die wenigen, dann aber haftungsträchtigen Ausnahmen sollte immer Vorsorge getroffen werden. Neben einer Haftungsfreistellung durch den Arbeitgeber gehört zur Mindestausstattung auch eine einschlägige Versicherungsdeckung, die aus der Insolvenzmasse gezahlt wird.

Ferner belegen die Ausführungen von Herrn Dr. Hees, dass sich aus dem Pflichtenkatalog als Mitglied eines Gläubigerausschusses diverse Haftpflichtrisiken ergeben. Hier sind dem Mitglied eines Gläubigerausschusses die fünf Praxisempfehlungen ans Herz zu legen. Für die besonders haftungsträchtigen Risiken sollte für jedes einzelne Verfahren Vorsorge in Form einer individuell zugeschnittenen Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung mit einer dem Risiko angemessenen Versicherungssumme getroffen werden.


Dr. Volker Hees Insolvenz in Eigenverantwortung & D&O

Über Dr. Volker Hees

Rechtsanwalt Dr. Volker Hees berät Unternehmen, Gesellschafter und Geschäftsleiter seit 1999 schwerpunktmäßig im Insolvenzrecht, Handelsrecht und Gesellschaftsrecht einschließlich Restrukturierung und Sanierung sowie Haftungsrisiken. Darüber hinaus berät er Unternehmen bei der Abwehr von Wirtschafts- und Mitarbeiterkriminalität. Dr. Hees veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge zu relevanten Fragen des Insolvenz- und Gesellschaftsrechts sowie der Wirtschaftskriminalität. Dr. Volker Hees ist neben dem Fachanwalt für Insolvenzrecht auch zertifizierter Restrukturierungs- und Sanierungsexperte (RWS).

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Hoffmann Liebs ist mit über 60 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten am Standort Düsseldorf tätig. Die Kanzlei berät seit 1979 mittelständische Unternehmen und internationale Konzerne ebenso wie die öffentliche Hand bei komplexen und anspruchsvollen wirtschafts­­­rechtlichen Mandaten.

Das Beratungsspektrum der Sozietät umfasst nahezu sämtliche für die Unternehmenspraxis relevanten Rechtsgebiete. Unsere Kompetenzen reichen von der umfassenden wirtschaftsrechtlichen Begleitung bis zur Beratung in komplexen Transaktionen und ausgefallenen Spezialmaterien. Dabei verbinden wir die jahrelangen praktischen Erfahrungen mit den ausgeprägten Spezialisierungen aller Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.

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MRH Trowe Guido Lange

√úber Guido Lange

Gesch√§ftsf√ľhrer der MRH Trowe Financial Lines und schwerpunktm√§√üig f√ľr unsere Mandanten aus dem Bereich rechts- & wirtschaftsberatende Berufe t√§tig. Vor seiner Zeit bei MRH Trowe war Hr. Lange u. A. bei der Allianz als Leiter der Abteilung Verm√∂gensschaden-Haftpflicht t√§tig. Herr Lange betreut f√ľhrende Anwaltssoziet√§ten seit nunmehr √ľber 20 Jahren und ist daher bestens vernetzt und vertraut mit den Kernkompetenzen und Haftungsrisken der Kanzleien. F√ľr Insolvenzverwalter und Gl√§ubigeraussch√ľsse wurden in den Verhandlungen mit den potenziellen Risikotr√§gern kontinuierlich individuell zugeschnittene Risikotransferl√∂sungen entwickelt, die sich vom Marktstandard deutlich abheben.


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