Sitz im GlÀubigerausschuss:
Sinnvoller Schritt oder Haftungsfalle?



Lesezeit: 3-4 Minuten
Mehrwerte: Wie ist die Haftungslage für Mitglieder des Gläubigerausschusses? Worauf sollten Sie achten? Im folgenden Artikel gibt Ihnen Hr. Dr. Hees eine fundierte Einführung in das Thema aus juristischer Perspektive sowie fünf umsetzbare Praxistipps zur Hand, während Ihnen Guido Lange bündig Tipps zur richtigen Versicherung vorstellt. Gerne steht Ihnen für die Beantwortung juristischer Fragen Herr Dr. Hees jederzeit zur Verfügung. Zur Absicherung Ihrer Haftungsrisiken können Sie sich an die Spezialisten der MRH TROWE Financial Lines über unser Kontaktformular wenden.

Vorwort

Sofern im Insolvenzverfahren ein GlĂ€ubigerausschuss vom Insolvenzgericht eingesetzt wird, stellt sich die Frage nach Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder. Die Kandidaten setzen sich wiederum damit auseinander, ob sie die Aufgabe ĂŒbernehmen können und mit Blick auf die persönliche Haftung ĂŒbernehmen sollen. DiesbezĂŒglich soll Ihnen die folgende Abhandlung einen fundierten Überblick geben.

I. Einleitung

Ziel eines Insolvenzverfahrens ist es, die GlĂ€ubiger eines Schuldners gemeinschaftlich zu befriedigen, indem das Vermögen des Schuldners verwertet und der Erlös verteilt wird. Der deutschen Insolvenzordnung liegt die Vorstellung zugrunde, dass GlĂ€ubiger eines Insolvenzverfahrens nicht lediglich nur passive Beteiligte eines Insolvenzverfahrens sein sollen, sondern an den Entscheidungen ĂŒber die Form und die Art der Verwertung der Insolvenzmasse sowie den Gang des Verfahrens aktiv mitwirken sollen.

Der GlĂ€ubigerausschuss ist neben der GlĂ€ubigerversammlung das zentrale Organ der GlĂ€ubigerautonomie, der den stĂ€ndigen Einfluss der beteiligten GlĂ€ubiger auf das Insolvenzverfahren gewĂ€hrleisten soll. Obwohl die GlĂ€ubigerversammlung in Insolvenzverfahren das Basisorgan der GlĂ€ubigerschaft ist, hat die Vergangenheit gezeigt, dass dem GlĂ€ubigerausschuss eine oft grĂ¶ĂŸere Bedeutung zukommt. Oftmals mĂŒssen in Insolvenzverfahren eilbedĂŒrftige Entscheidungen getroffen werden, z. B. wenn wegen anstehendem SaisongeschĂ€ft schnell ein Verkauf des GeschĂ€ftsbetriebs erfolgen muss. Insbesondere in solchen FĂ€llen ist das Vorhandensein eines GlĂ€ubigerausschusses von Vorteil. Denn anders als die GlĂ€ubigerversammlung setzt sich der GlĂ€ubigerausschuss lediglich aus einer geringen Anzahl an Mitgliedern zusammen. Er kann daher jederzeit flexibel einberufen werden. Weiter verfĂŒgen Mitglieder eines GlĂ€ubigerausschusses regelmĂ€ĂŸig ĂŒber einen erheblichen Informationsvorsprung gegenĂŒber anderen GlĂ€ubigern. Sie haben einen besseren Einblick in das lfd. Insolvenzverfahren und grĂ¶ĂŸere Möglichkeiten, den konkreten Ablauf des Insolvenzverfahrens zu beeinflussen. Der vorlĂ€ufige GlĂ€ubigerausschuss kann z. B. durch einstimmigen Vorschlag erreichen, dass das Insolvenzgericht den gewĂŒnschten Verwalter bestellt, § 56a InsO. Er kann durch einstimmigen Beschluss auch die Eigenverwaltung erreichen, § 270 Abs. 3 Satz 2 InsO.

Die Mitgliedschaft in einem GlÀubigerausschuss bringt also i.d.R. viele Vorteile mit sich und ist daher grundsÀtzlich zu empfehlen.

II. Persönliche Haftung eines GlÀubigerausschussmitglieds

Dennoch mĂŒssen Ausschussmitglieder stets im Blick haben, dass mit dem Amt auch Pflichten verbunden sind, fĂŒr deren ErfĂŒllung sie einzustehen haben. Eine nicht ordnungsgemĂ€ĂŸe ErfĂŒllung der ihnen auferlegten Pflichten kann im schlimmsten Fall eine persönliche Haftung des Ausschussmitglieds nach sich ziehen.

Die Voraussetzungen einer persönlichen Inanspruchnahme sind in § 71 InsO geregelt. Hiernach haften Mitglieder eines GlĂ€ubigerausschusses gegenĂŒber den absonderungsberechtigten GlĂ€ubigern und den InsolvenzglĂ€ubigern persönlich, sofern sie schuldhaft die Pflichten verletzen, die ihnen nach der Insolvenzordnung obliegen. Maßgeblich fĂŒr die Haftung aus § 71 InsO ist, wer konkret Mitglied geworden ist, ob also die betreffende, natĂŒrliche Person Mitglied wurde oder dessen Arbeitgeber bzw. Anstellungskörperschaft.

Die wichtigste Aufgabe eines GlĂ€ubigerausschusses ist gemĂ€ĂŸ § 69 InsO die UnterstĂŒtzung und Überwachung des Insolvenzverwalters bei seiner GeschĂ€ftsfĂŒhrung sowie die PrĂŒfung des Geldverkehrs und -bestandes. Der Insolvenzverwalter hat eine umfassende Verwaltungsbefugnis, welche einerseits der UnterstĂŒtzung durch die InsolvenzglĂ€ubiger bedarf und andererseits aufgrund der damit verbundenen weiterreichenden Folgen seines Handelns auch kontrolliert werden muss.

Die in § 69 InsO geregelten Pflichten sind jedem Ausschussmitglied individuell auferlegt, sie betreffen nicht nur den GlĂ€ubigerausschuss als solchen. Insoweit setzt die persönliche Haftung grundsĂ€tzlich eine eigene Pflichtverletzung des jeweiligen Ausschussmitglieds voraus. Dies heißt jedoch nicht, dass im Falle einer Delegation einer Aufgabe auf ein bestimmtes Mitglied die ĂŒbrigen Mitglieder von ihren Pflichten vollstĂ€ndig befreit sind. Im Gegenteil besteht auch hier eine Pflicht der ĂŒbrigen Ausschussmitglieder, sich positiv von der PflichterfĂŒllung zu ĂŒberzeugen. Insoweit haben sie alle fĂŒr die regelmĂ€ĂŸige Überwachung einzustehen.

HaftungstrĂ€chtig ist die NichterfĂŒllung der den Ausschussmitgliedern auferlegten Überwachungspflicht. Ausschussmitglieder sind verpflichtet, das Handeln des Insolvenzverwalters nicht nur auf die RechtmĂ€ĂŸigkeit zu kontrollieren, sondern darĂŒber hinaus auch auf die ZweckmĂ€ĂŸigkeit und Wirtschaftlichkeit seiner GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Die ordnungsgemĂ€ĂŸe ErfĂŒllung dieser Pflicht setzt sowohl eine nachtrĂ€gliche, begleitende als auch vorausschauende Kontrolle des Insolvenzverwalters voraus.

Haftung Insolvenz in Eigenverwaltung

Am 26.04.2018 hat der Bundesgerichtshof ein vielbeachtetes Urteil zur Haftung von GeschĂ€ftsfĂŒhrern in der Eigenverwaltung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens gesprochen. Die Folgen fĂŒr die GeschĂ€ftsfĂŒhrerhaftung schildert Dr. Volker Hees, Partner der renommierten Kanzlei Hoffmann Liebs.

BGH-Urteil zur Eigenverwaltung

Mitglieder eines GlĂ€ubigerausschusses mĂŒssen hierbei stets ĂŒber den aktuellen Verfahrensstand informiert sein, da nur auf diese Weise eine ordnungsgemĂ€ĂŸe Überwachung des Insolvenzverwalters erfolgen kann.

Ganz besondere Bedeutung im Rahmen der Überwachung des Insolvenzverwalters kommt der PrĂŒfung von Geldverkehr und -bestand zu, zu der ein Ausschussmitglied gemĂ€ĂŸ § 69 Satz 2 InsO verpflichtet ist. Die Verletzung dieser Pflicht zur sog. „KassenprĂŒfung“ war in der Rechtsprechung bereits mehrfach Gegenstand von Entscheidungen, die zu einer persönlichen Haftung von Ausschussmitgliedern fĂŒhren, z. B. weil der untreue Insolvenzverwalter aus der Masse Gelder auf private Konten umleitete.

Ausschussmitglieder mĂŒssen die PrĂŒfung von Geldverkehr und Geldbestand nicht selbst vornehmen. Ihnen steht es frei, diese Aufgabe auch auf einem sachverstĂ€ndigen Dritten zu ĂŒbertragen, ohne fĂŒr dessen Verschulden einstehen zu mĂŒssen. Die Einschaltung eines Dritten Ă€ndert jedoch nichts an der Möglichkeit einer persönlichen Inanspruchnahme von Ausschussmitgliedern. Sie sind trotz Betrauung eines Dritten verpflichtet, fĂŒr die DurchfĂŒhrung der PrĂŒfung zu sorgen. Hierzu haben sie diejenige Person, welche die PrĂŒfungen vorzunehmen hat, unverzĂŒglich und sorgfĂ€ltig auszuwĂ€hlen und können insoweit fĂŒr ein etwaiges Auswahlverschulden haftbar gemacht werden.

Auch wenn die PrĂŒfung des Geldverkehrs und -bestandes von einem Dritten durchgefĂŒhrt wird, mĂŒssen sich Ausschussmitglieder ĂŒber die Ergebnisse der PrĂŒfungen informieren und prĂŒfen, dass die erforderliche Sorgfalt bei der PrĂŒfung tatsĂ€chlich auch eingehalten wird.

In welchen zeitlichen AbstĂ€nden der Geldverkehr und -bestand geprĂŒft werden muss, ist eine Frage des Einzelfalls und gesetzlich nicht geregelt. Es ist jedenfalls in jedem Verfahren sofort mit der PrĂŒfung zu beginnen. Der PrĂŒfungsturnus im weiteren Verfahren können vom Verfahrensstand, der Anzahl der Kontobewegungen oder dem Umstand einer BetriebsfortfĂŒhrung beeinflusst werden. Gerade im Insolvenzeröffnungsverfahren können engere PrĂŒfungsintervalle erforderlich sein. Sofern Ungereimtheiten erkennbar sind, sind die PrĂŒfungsintervalle zu verkĂŒrzen. Auch der Umfang der PrĂŒfungsintensitĂ€t richtet sich nach den jeweiligen UmstĂ€nden des Einzelfalls. Eine Überwachung des Insolvenzverwalters ist nur dann gewĂ€hrleistet, wenn die PrĂŒfung des Geldverkehrs und –bestandes eine zuverlĂ€ssige Beurteilung seines Handelns ermöglicht. Ergeben sich im Rahmen der BelegprĂŒfung Zweifel, sollten Ausschussmitglieder zur Haftungsvermeidung sofortige Nachforschungen einleiten und eine vollstĂ€ndige ÜberprĂŒfung des Geldverkehrs vornehmen.

“UnerlĂ€sslich ist, dass sich ein Mitglied eines GlĂ€ubigerausschusses bei der Aufnahme des Amtes ĂŒber die obliegenden Pflichten vollumfassend informiert, um sich auf diese Weise einen Überblick ĂŒber den Pflichtenkreis zu verschaffen”Dr. Volker Hees (Partner und Insolvenzrechtsexperte bei Hoffmann Liebs)

Ausschussmitglieder können beispielsweise persönlich in Anspruch genommen werden, wenn durch die GlĂ€ubigerversammlung Hinterlegungskonten bestimmt wurden, die der Insolvenzverwalter zu fĂŒhren hat, dieser davon aber abweicht. Der GlĂ€ubigerausschuss ist in diesem Fall zu sofortigem Einschreiten verpflichtet und darf ein Abweichen des Insolvenzverwalters keinesfalls dulden.

Erhöhte Überwachungspflichten treffen Ausschussmitglieder ebenso bei besonders bedeutsamen und haftungstrĂ€chtigen EinzelgeschĂ€ften des Insolvenzverwalters. Will ein Insolvenzverwalter Rechtshandlungen vornehmen, die fĂŒr das Insolvenzverfahren von besonderer Bedeutung sind wie z. B. der Verkauf des GeschĂ€ftsbetriebs oder von GrundstĂŒcken, so hat er hierzu die Zustimmung des GlĂ€ubigerausschusses einzuholen. Stimmen Ausschussmitglieder masseschĂ€digenden BeschlĂŒssen zu oder enthalten sich einer Stimmabgabe, so kann dies ebenfalls zu einer persönlichen Haftung eines Ausschussmitglieds fĂŒhren. KaufvertrĂ€ge sind also vor Zustimmung genauestens zu prĂŒfen, ggf. mithilfe eines versierten Fachanwalts. Die Kosten trĂ€gt in der Regel die Insolvenzmasse.

HaftungstrĂ€chtig ist auch die Verletzung von Verschwiegenheitspflichten durch ein Mitglied des GlĂ€ubigerausschusses. Bei der AusĂŒbung ihres Amtes erlangen Ausschussmitglieder umfangreiche Kenntnis von Informationen. BezĂŒglich dieser Informationen sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Nutzt ein Ausschussmitglied den durch die AusschusstĂ€tigkeit gewonnenen Informationsvorsprungs zu Eigenzwecken aus oder verbreitet er eine vertrauliche Mitteilung, kann er hierfĂŒr unter UmstĂ€nden persönlich haften.

GrundsĂ€tzlich sind die Anforderungen an die subjektiven Voraussetzungen einer persönlichen Haftung gering. Subjektiv genĂŒgt bereits jedes leicht fahrlĂ€ssiges Verhalten eines Ausschussmitglieds, um eine persönliche Haftung zu begrĂŒnden. Bei der ErfĂŒllung ihrer Pflichten haben Ausschussmitglieder die Sorgfalt an den Tag zu legen, die von einem ordentlichen und gewissenhaften Mitglied eines GlĂ€ubigerausschuss erwartet werden kann. Die eigene Unkenntnis der Pflichten sowie die fehlenden persönlichen FĂ€higkeiten zur ordnungsgemĂ€ĂŸen AmtsausĂŒbung lassen die Haftung eines Ausschussmitglieds unberĂŒhrt.

Liegt eine schuldhafte Pflichtverletzung eines Ausschussmitglieds vor, so muss diese fĂŒr den Schadenseintritt mitursĂ€chlich sein. Bei Unterschlagungen von Massegeldern durch den Insolvenzverwalter besteht zugunsten der GeschĂ€digten ein sog. „Beweis des ersten Anscheins“ fĂŒr eine Verursachung durch mangelhafte Überwachung. Es wird davon ausgegangen, dass ein Insolvenzverwalter bei sorgfĂ€ltiger Überwachung sich nicht wagt, die ihm anvertrauten Vermögenswerte zu veruntreuen.

III. Folgen fĂŒr die Praxis

Insbesondere im frĂŒhen Insolvenzeröffnungsverfahren ist das Risiko einer persönlichen Haftung erhöht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Informationsbasis meist noch nicht hinreichend gesichert. Dennoch besteht im Eröffnungsverfahren bereits die Pflicht des GlĂ€ubigerausschusses, trotz ungesicherter Informationen das Handeln des Insolvenzverwalters zu ĂŒberwachen. Es ist wichtig, bereits frĂŒhzeitig ein Risikomanagement zu installieren, mögliche Risiken aufzulisten und unter UmstĂ€nden auch gesonderte Kontrollmechanismen einzurichten, um das Risiko einer persönlichen Haftung möglichst frĂŒhzeitig zu minieren. FĂŒnf Punkte sollten vor allem beachtet werden:

GĂ¶ĂŸenverteilung Insolvenz ind Eigenverwaltung Statistik
  1. Unerlässlich ist, dass sich ein Mitglied eines Gläubigerausschusses bei der Aufnahme des Amtes über die obliegenden Pflichten vollumfassend informiert, um sich auf diese Weise einen Überblick über den Pflichtenkreis zu verschaffen. Die von den Gerichten zur Verfügung gestellten Merkblätter sind hierzu zur Kenntnis zu nehmen.
  2. Eine persönliche Haftung kann durch Abschluss einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung vermieden werden. Vor allem in größeren und risikoreichen Insolvenzverfahren ist der Abschluss einer gesonderten Haftpflichtversicherung unverzichtbar und die Regel, da etwaige Schäden regelmäßig nicht von der Berufshaftpflichtversicherung erfasst sind.
    Die Kosten für eine solche Versicherung können Ausschussmitglieder nach § 18 Abs. 1 InsVV als Auslagen vom Gericht festsetzen lassen und gegenüber der Insolvenzmasse geltend machen, falls nicht bereits die Insolvenzmasse direkt die Kosten ausgeglichen hat.
  3. Zur Vermeidung einer Haftung sollten Ausschussmitglieder zwingend ihre Arbeit dokumentieren, um im Falle eines Haftungsfalls die konkrete Tätigkeit lückenlos nachweisen zu können.
  4. Mitglieder eines Gläubigerausschusses sollten zudem den Angaben des Insolvenzverwalters nicht blind vertrauen, sondern diese auch hinterfragen. Insbesondere bei Zweifel oder Ungereimtheiten sollten umgehend Nachforschungen eingeleitet werden.
  5. Bei Ungereimtheiten und Zweifeln ist es des Weiteren empfehlenswert, den Rat eines versierten Fachanwalts für Insolvenzrecht oder anderer Fachgebiete zur weiteren Vorgehensweise beizuziehen, um das Risiko einer Haftung von vornherein auszuschließen.
“Die spezielle Haftungssituation der Mitglieder eines GlĂ€ubigerausschusses stellt besondere Anforderungen an die Gestaltung des Versicherungsschutzes. Um Interessenkonflikten im Schadenfall vorzubeugen, ist eine eigenstĂ€ndige und von der Deckung des Insolvenzverwalters unabhĂ€ngige Versicherung des GlĂ€ubigerausschusses unbedingt zu empfehlen.”Guido Lange - GeschĂ€ftsfĂŒhrer MRH Trowe Financial Lines GmbH

IV. Absicherung des Gläubigerausschusses

Im Folgenden wollen wir den zweiten Praxistipp aufgreifen und Ihnen wichtige Hinweise fĂŒr Ihre Absicherung an die Hand geben. Zuallererst sollte sich das Mitglied eines GlĂ€ubigerausschusses auf keine vorhandenen Firmenversicherungen (und hier sei speziell die D&O-Versicherung genannt) verlassen, da diese in der Regel keinen Schutz bieten. Es ist also dringend eine spezielle Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung fĂŒr den Haftungsfall zu installieren. Dabei ist Folgendes zu beachten: die Versicherung des GlĂ€ubigerausschusses sollte getrennt von der persönlichen Deckung des Insolvenzverwalters erfolgen. Diese Gestaltung hat folgende Vorteile:

  1. Sollte die zur VerfĂŒgung stehende Versicherungssumme im Schadenfall bereits durch den Insolvenzverwalter verbraucht sein, stĂŒnde fĂŒr die Mitglieder des GlĂ€ubigerausschusses ansonsten kein Versicherungsschutz mehr zur VerfĂŒgung.
  2. Aufgrund der Überwachungs- und Kontrollpflichten des GlĂ€ubigerausschusses können sich Interessenkonflikte ergeben. Eine Schadenregulierung wĂŒrde sich kompliziert gestalten, wenn in diesem Fall Insolvenzverwalter und GlĂ€ubigerausschuss bei einem Versicherer und noch dazu ggf. in einem Vertrag versichert wĂ€ren.

Aufbauend auf dieser Empfehlung gilt es eine ausreichende Versicherungssumme zu wĂ€hlen sowie ein leistungsstarkes Bedingungswerk zu konzeptionieren. Bei beiden Aufgabenstellungen ist in jedem Fall das Hinzuziehen eines Experten anzuraten, um das gewĂŒnschte Sicherheitsnetz zu spannen. So sehen wir in den SchadenfĂ€llen die Bedeutung von folgenden Bausteinen, auf die Sie Ihr Bedingungswerk hin prĂŒfen sollten:

  • Einen Selbstbehalt im Schadensfall sollten Sie im aktuellen Marktumfeld nicht mehr akzeptieren.
  • Je nach Bedarf ist eine Erweiterung der Auslandsdeckung vorzunehmen.
  • Eine Vertrauensschadendeckung sollte integriert sein.
  • Im Zusammenhang mit Cyber-VorfĂ€llen sollte eine kombinierte Dritt- und Eigenschadendeckung bestehen.
  • Auf jeden Fall sollte Abwehrschutz fĂŒr den Fall des Vorwurfs einer wissentlichen Pflichtverletzung bis zu deren rechtskrĂ€ftiger Feststellung geboten sein.
  • Eine Anrechnung von Kosten und somit Reduzierung der zur VerfĂŒgung stehenden Versicherungssumme (z.B. Anwalts- und Gerichtskosten, Kosten fĂŒr SachverstĂ€ndige und Zeugen, Schadenminderungskosten) sollte nicht erfolgen.
  • Die Integration einer möglichst weitgehenden Aufsichtsrats- und Beiratsklausel wĂ€re im Bedarfsfall ebenfalls wĂŒnschenswert.

Im aktuellen - sehr kundenfreundlichen - Versicherungsmarkt sind die oben aufgefĂŒhrten Bausteine grundsĂ€tzlich abbildbar und sollten sich neben anderen wichtigen Bausteinen in Ihrer Deckung wiederfinden. FĂŒr die Bewertung der GĂŒte der Klauseln in diesem Spezialthema bedarf es eines entsprechenden Know-Hows, sodass dringend anzuraten ist, entweder einen in diesem Themenfeld spezialisierten Fachanwalt fĂŒr Versicherungsrecht oder Versicherungsmakler einzubinden. Ferner ist zu empfehlen, die auf dieses Thema spezialisierten Versicherer im Rahmen einer Marktausschreibung miteinander zu vergleichen, sodass Sie von dem sehr niedrigen PrĂ€mienniveau entsprechend profitieren. Als Spezialmakler nehmen wir bei einem Vergleich der sehr unterschiedlichen Deckungskonzepte PrĂ€miendifferenzen von bis zu 50% wahr. Bei der Wahl der geeigneten Versicherungssumme sollte die Höhe der PrĂ€mie zwar nur eine untergeordnete Rolle spielen, ein qualifizierter MarktĂŒberblick ermöglicht aber im Rahmen der PrĂ€mienersparnis eine Investition in eine umfangreichere Absicherung in Form der Aufstockung der Versicherungssumme.

V. Fazit

Grundsätzlich kann jedem Gläubiger empfohlen werden, in den Gläubigerausschuss zu gehen. Anhand von Informationen aus erster Hand kann konkret Einfluss auf eine bestmögliche Befriedigung der Gläubiger genommen werden. Bei der Auswahl des Insolvenzverwalters kann der Gläubigerausschuss mitbestimmen. Bei verantwortungsvoller Erfüllung der Aufgabe droht keine Haftung. Für die wenigen, dann aber haftungsträchtigen Ausnahmen sollte immer Vorsorge getroffen werden. Neben einer Haftungsfreistellung durch den Arbeitgeber gehört zur Mindestausstattung auch eine einschlägige Versicherungsdeckung, die aus der Insolvenzmasse gezahlt wird.

Ferner belegen die Ausführungen von Herrn Dr. Hees, dass sich aus dem Pflichtenkatalog als Mitglied eines Gläubigerausschusses diverse Haftpflichtrisiken ergeben. Hier sind dem Mitglied eines Gläubigerausschusses die fünf Praxisempfehlungen ans Herz zu legen. Für die besonders haftungsträchtigen Risiken sollte für jedes einzelne Verfahren Vorsorge in Form einer individuell zugeschnittenen Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung mit einer dem Risiko angemessenen Versicherungssumme getroffen werden.


Dr. Volker Hees Insolvenz in Eigenverantwortung & D&O

Über Dr. Volker Hees

Rechtsanwalt Dr. Volker Hees berät Unternehmen, Gesellschafter und Geschäftsleiter seit 1999 schwerpunktmäßig im Insolvenzrecht, Handelsrecht und Gesellschaftsrecht einschließlich Restrukturierung und Sanierung sowie Haftungsrisiken. Darüber hinaus berät er Unternehmen bei der Abwehr von Wirtschafts- und Mitarbeiterkriminalität. Dr. Hees veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge zu relevanten Fragen des Insolvenz- und Gesellschaftsrechts sowie der Wirtschaftskriminalität. Dr. Volker Hees ist neben dem Fachanwalt für Insolvenzrecht auch zertifizierter Restrukturierungs- und Sanierungsexperte (RWS).

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Über Guido Lange

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der MRH Trowe Financial Lines und schwerpunktmĂ€ĂŸig fĂŒr unsere Mandanten aus dem Bereich rechts- & wirtschaftsberatende Berufe tĂ€tig. Vor seiner Zeit bei MRH Trowe war Hr. Lange u. A. bei der Allianz als Leiter der Abteilung Vermögensschaden-Haftpflicht tĂ€tig. Herr Lange betreut fĂŒhrende AnwaltssozietĂ€ten seit nunmehr ĂŒber 20 Jahren und ist daher bestens vernetzt und vertraut mit den Kernkompetenzen und Haftungsrisken der Kanzleien. FĂŒr Insolvenzverwalter und GlĂ€ubigerausschĂŒsse wurden in den Verhandlungen mit den potenziellen RisikotrĂ€gern kontinuierlich individuell zugeschnittene Risikotransferlösungen entwickelt, die sich vom Marktstandard deutlich abheben.


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